Yakira, causalité
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Gott ist also nicht nur seine eigene Ursache. Er ist gleichzeitig auch die Ursache eines jeden Dings. Allerdings ist die Kausalbeziehung von Gott und endlichen Dingen eine völlig andere als die, die der endlichen Dinge untereinander. Gott ist die immanente Ursache und nicht die „transitive“ Ursache. Zwischen ihm und seinen Wirkungen existiert also kein äußerliches Verhältnis mechanischer Kausalität. Er wirkt – gewissermaßen – im Inneren der Dinge, während die Kausalbeziehungen zwischen den endlichen Dingen in Aktionen oder Wirkungen bestehen, die sich „äußerlich“ zwischen ihnen abspielen.
Ist der Begriff der „causa sui“ denn nicht widersprüchlich? Wie kann ein Ding seine eigene Ursache sein? Spinoza hat diesen Begriff nicht erfunden [wer dann?, hm] Die Verwendung, die er aber von ihm macht und die Schwierigkeiten, die dies nach sich zieht, sind typisch modern.
Die aristotelischen Ursachen sind Prinzipien um zur Kontemplation der Dinge in ihrem Sein selbst zu gelangen. Davon zu unterscheiden ist die Suche nach den Kausalbeziehungen zwischen den Dingen.
Der Begriff der „causa sui“ und sein Gebrauch impliziert bereits die Dualität, die Komplementarität und die Äußerlichkeit von Ursache und Wirkung. Dies ist die neue, moderne Auffassung. Hier knüpfen dann auch die Einwände gegen den Begriff „causa sui“ an.
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Es ist eben diese Äußerlichkeit, die als eine wesentliche Eigenschaft der mechanischen Kausalität aufgefasst wird, die vom spinozistischen Begriff der „causa sui“ beanstandet wird. Die Reichweite dieses Ansatzes ist bemerkenswert: Nicht nur wird die anscheinende Absurdität der Idee zurückgewiesen, dass etwas seine eigene Ursache sein könne. Mit dem Begriff der „causa sui“ wird vielmehr behauptet, dass er die wahre Bedeutung des Begriffs „Ursache“ liefert. Mit ihm lässt sich die „Ursache schlechthin“ denken. Er liefert das semantische Fundament aller anderen Formen von Kausalbeziehungen. Der Grund dafür ist, dass bei Spinoza allgemein die endlichen Dinge, ihr Sein und ihre Eigenschaften ausgehend vom Unendlichen begriffen werden. Die letzte Wahrheit, die man bezüglich der „Modi“ aussprechen kann, ist jene, die man mit Termen aussprechen kann, die mit der Substanz identisch sind. Freiheit, Vermögen, etc. sind die Terme, die man dazu benützt, um sowohl von Gott und den Dingen zu sprechen. Der Sinn der „Dinge“ kann verschoben werden, gerade weil mit diesen Termen Eigenschaften bezeichnet werden, die partielle Manifestationen (oder partielle Negationen) darstellen, die zu Gott gehören.
So auch bei der Kausalität: Der wahre Sinn des Begriffs der Ursache besteht in seiner Anwendung auf Gott, d.h. auf die ganze Natur insofern sie das Fundament und der Ursprung allen Seins ist.
Der Satz „a ist Ursache von b“ (wenn ab und b endliche Dinge sind und wenn sie gemäß der mechanischen Kausalität verstanden werden) ist nur verstehbar, weil er sich stillschweigend auf den Begriff der göttlichen Kausalität gründet und deren partielle Negation bildet (ebenfalls stillschweigend).
Spinoza bestreitet also die wesentliche reziproke Äußerlichkeit von Ursache und Wirkung.
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Ursache und Wirkung bilden in der Kausalbeziehung die Elemente einer Einheit. Diese Einheit besitzen sie in der mechanischen Auffassung aber nicht. Hier gelangt Spinoza also über die mechanistische Kausalität hinaus. Ursache und Wirkung können einander nicht völlig äußerlich sein. Die Wirkung hängt wesentlich von der Ursache ab. Diese Abhängigkeit setzt eine Einheit voraus, die Spinoza als dynamische Einheit denkt: Die Kausalbeziehung ist in ihrem Wesen die Entfaltung der Kraft – welche der Ursprung die Ursache ist - und deren Ergebnis oder Endpunkt ist die Wirkung.
Die Kohärenz des Begriffs der „causa sui“ hängt von der Möglichkeit ab, die intuitiven Begriffe der Kraft und der Aktion zu konzeptualisieren und zu rationalisieren. Das ist genau das, was Spinoza zu tun versuchte. Er ließ durchscheinen, dass die mechanische Kausalität für diese Aufgabe inadäquat ist. Diese impliziert äußerliche Beziehungen, während die Analyse der Kausalität mittels der Ideen „Kraft“ und „Aktion“ im Gegenteil zeigen sollte, dass die Kausalität in ihrer grundlegendsten Bedeutung, absolute Innerlichkeit (intériorité) ist.
| | hans68 ( |
Spinoza und Kausalität 3
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