Gespräch eines Lebensmüden mit seiner Seele
hans68
Der Tod steht heute vor mir,
(wie) wenn ein Kranker gesund wird,
wie das Hinaustreten ins Freie nach dem Eingesperrtsein.
Der Tod steht heute vor mir
wie der Duft von Myrrhen,
wie das Sitzen unter einem Segel an einem windigen Tag.
Der Tod steht heute vor mir
wie der Duft von Lotusblumen,
wie das Sitzen am Ufer der Trunkenheit.
Der Tod steht heute vor mir
wie das Abziehen des Regens,
wie wenn ein Mann von einem Feldzug heimkehrt.
Der Tod steht heute vor mir,
wie wenn sich der Himmel enthüllt,
wie wenn ein Mensch die Lösung eines Rätsels findet.
Der Tod steht heute vor mir,
wie ein Mann sich danach sehnt, sein Heim wiederzusehen,
nachdem er viele Jahre in Gefangenschaft verbracht hat.

Quelle :
http://
de.wikipedia.org/wiki/Gespr%C3%A4ch_eines_Lebensm%C3%BCden_mit_seiner_Seele
Quellenangabe bei Wikipedia:
Winfried Barta: Das Gespräch eines Mannes mit seinem Ba (Papyrus Berlin 3024),
Berlin 1969 [wissenschaftliche Edition (Transkription) mit Übersetzung und Kommentar]
und Zitiert nach Assmann S. 498f. (leicht verändert)

http://www.moin-monja.de/egypt/pharaonen/05-erste-zwischenzeit/gespraech_des_lebensmueden/gespraech_des_lebensmueden.htm

(kein Betreff)
hans68
"Ich, meinerseits, denke, dass die Begriffe erzeugt werden. Die Philosophie ist somit – nach Deleuze und Guattari – die Kunst Begriffe zu erzeugen. Hingegen glaube ich, dass die mathematischen Entitäten an sich existieren, zumindest nach den Platonikern und unter ihnen war wohl Kurt Gödel der größte. Allerdings habe ich nicht den Anspruch dieses Dilemma zu erhellen, noch glaube ich, dass eine objektive und definitive Lösung möglich wäre: Beschränken wir uns darauf, anzumerken, dass beide Möglichkeiten (die platonische und die konstruktivistische) gleiche Gültigkeit und Würde besitzen." (15)
Girolamo de Michele, 2011: Filosofia. Corso di sopravvivenza. Milano

(kein Betreff)
hans68
"Du weißt ja, dass es man mich bisweilen belächelt – gebe ich doch auch Philosophiekurse mit dem Titel „Die Sorge um die Seele“, während meine eigene von Unruhe geplagt ist. Obwohl es ein Leichtes für mich wäre, den Spott abzuschütteln, indem ich anführe, dass es ohne Philosophie noch schlimmer wäre, hinterfrage ich mich dennoch. Warum bleibt ein Individuum, das doch so viele Rückschläge überwunden hat, derart verletzbar? Montaigne hatte nicht unrecht , indem er feststellte, dass uns die „Häufung winziger Widrigkeiten [stärker zusetzt] als die Heftigkeit einer einzelnen“ (Essais, 3, Kap. 9, 261)
Es geziemt sich wohl, sich selbst zu kennen, um die eigenen Ressourcen nicht zu überschätzen. Bei Spinoza glaube ich doch einige Mittel zu finden, um mein Selbstverhältnis zu vertiefen. Spinoza erlaubte es mir, drückende Ansprüche abzulegen, um mein Streben auf das Realisierbare zu richten. Vor allem hat er mich aus mir selbst herausgeschält, aus diesem Willen ein Selbst zu konstruieren, das jenseits meiner Kräfte liegt. Weit davon entfernt, eine ferne Weisheit zu skizzieren, bietet er mir einige Werkzeuge, um mich freier dem zu widmen, was ich bin. Aus seinem Mund dringt keine Belehrungsrede. Er hütet sich davor, jene gewohnten wiederkehrenden Reden zum Besten zu geben, die eher hinabziehen als erbauen und für gewöhnlich eher Schuld und Selbsthass bewirken.
Das Lesen der Ethik enthebt mich dieser Plagen. Angesichts unseres Scheiterns und unserer Unfähigkeit, unsere Kränkungen endlich loszulassen, gelangen wir dazu, uns selbst zu hassen und uns im Namen eines Ideals abzulehnen. Spinoza bewahrt mich täglich davor."
Alexandre Jollien, La construction de soi, 133f.

Aus dem Markusevengelium
hans68
„So geschah es: In jenen Tagen kam Jesus von Nazareth in Galiläa und ward hineingetaucht in den Jordan des Johannes. Und gleich wie er aus dem Wasser emporstieg, sah er die Himmel gespalten und den Geist wie eine Taube hinabsteigen auf ihn.“ Mk 1,9-11
„Und früh, noch in der Nacht, stand er auf und ging hinaus, ging fort in die Einsamkeit. Dort hielt er Gebet.“ Mk 1,35
Dämonenaustreiber Mk 1,39
„Was ist leichter: zu dem Gelähmten zu sagen: Nachgelassen sind deine Sünden, oder zu sagen: Richte dich auf, nimm deine Pritsche und bewege dich frei.“ Mk 2,9
„Ich bin nicht gekommen, Gerechte zu suchen, sondern Sünder.“ Mk 2,17
„Neuen Wein in neue Schläuche!“ Mk 2,22

Übe Liebe nachdenken
hans68
Mit der Nachdenken über die unsere Lieben ist es, wie mit dem Nachdenken über bestimme Kunstwerke. Wir können sicher viel Richtiges, Erhellendes und Erklärendes über diese herausfinden und diese Einsichten können zu einem „geläuterten“ und verfeinerten Genuss beitragen, aber dennoch bleibt ein Kern des Erlebens des Kunstwerks, der von diesen Einsichten unberührt bleibt. Es zeigt sich ein umgekehrtes Verhältnis: Das Erleben des Kunstwerks, die Intensität des Gefühls dabei, erklärt unser Nachdenken, lässt überhaupt erst unsere Gedankenarbeit verstehen, - denn ohne diese Intensität, blieben all diese guten Gedanken bloße Abstraktionen. So besitzt auch die Liebe einen Kern, den wir nicht aufklären können, sondern der uns – als erlebtes Gefühl – über uns und unsere Gedanken aufklärt. Wir müssen lieben, um uns selbst verstehen zu lernen.

Barátság
hans68
A te barátod a válasz a szükségedre.
Ő a te földed, melyen szeretetet vetsz, és háládatosságot aratsz.
És ő a te asztalod és a te tűzhelyed.
Mert éhesen mégy hozzá, és békéért keresed fel őt.

Amikor barátod szól hozzád, saját elmédben nem félsz az "igen"-től, s nem fojtod vissza a "nem"-et.
És amikor barátod hallgat, szíved akkor sem szűnik meg figyelni rá.
Mert a barátságban minden gondolat, minden vágy, minden remény szavak nélkül születik, közös és kimondatlan örömmel.
Mikor barátodtól elválsz, nem bánkódol.
Mert amit benne legjobban szeretsz, a távollétében világosabbá válhat, miként a hegymászó is jobban látja a hegyet a síkságról.
És ne légyen a barátságnak célja más, mint a lélek elmélyülése.
Mert a szeretet, ha egyébre is törekszik, mint önnön rejtelmének felfedésére, nem szeretet immár, hanem kivetett háló, melyben csak a silány akad fenn.

És ami benned a legjobb, légyen az a te barátodé.
Ha ismeri tengered apályait, hadd ismerje meg a dagályt is.
Mert mi a te barátod, ha csupán az unalom óráján keresed fel őt?
Keresd fel őt az élet óráján is.
Mert segíthet ő a szükségben, de ürességedet ki nem töltheti.
És a barátság édességében légyen nevetés és az örömök megosztása.
Mert az apró örömök harmatában a szív megtalálja hajnalát, és felfrissül.
Tags:

James Hamilton-Paterson, The Swimmer
hans68
I am lost . . . These are the words the swimmer addresses in panic to the sunny universe into which he emerges, blowing water, disorientated. Ten minutes ago, perhaps twenty, he had set some fishing lines and slipped over the side of his tiny craft – a wooden insect with two bamboo outriggers – with a cord tying its prow to his ankle. He had been lying face down the ocean, sun on his back, staring through the first of a thousand metres of water. In the tropics these upper waters are flooded with light. Bright spicules drift past his eyes, crimson and electric blue, the jewelled phytoplankton streaming about the globe performing infinitesimal acts of chemistry which, much multiplied, succour all earthly life. By swimming down a couple of dozen feet he can look up and view other creatures from below: a shoal of garfish (whose bones are bright green) so high up their backs graze their rumpled mirror of air, the occasional flying fish breaking out and vanishing. The swimmer reflects on this mirror, imagining the sky weighing down on the sea and the sea holding up atmosphere, curious about what exactly can be happening at the interface. If it were possible to magnify the activity, surely a buzzing skin of molecules so intermixed and saturated with atoms in common it would be undecidable which medium they constituted. At what point did these milling particles become waves? The swimmer loses himself in the quantum pun, in his speculations about boundaries, then suddenly an awareness breaks in that something is missing. There is a steady tug at his ankle, but too light. The long trails downward, still firmly knotted to one foot. It is the boat which has gone.
His first act of panic is to spin in the water while trying to stand up in it: once, twice, three times, quartering a featureless horizon. Nothing. He is anchored by twenty feet of thin abaca hemp to the ocean. His masked face runs back through the surface as if by a miracle of misplacement he might discover the boat floating at ease in a fourth dimension some fathoms below. Nothing. The cord hangs down like the corals called sea whips, slightly kinked, whiskers of fibre standing out clear in this awesome lens right to the bobble of the knot in its end. The word this knot transmits through the water is ‘adrift’.
The swimmer jerks his head up into the air again. Everything is plain. It is not possible, yet the boat has gone. I am lost. Panicked, he pants and spins, boatless, landless, and with the visceral ache of pure fear at what he has abruptly become: all alone and floating in the Pacific Ocean. Reason attempts to be reasonable. How far away could a boat possibly drift on a windless day? Also, eye level is barely six inches above sea level; a boat whose freeboard is little more than three times that could easily be hidden by the least swell. It is no doubt bobbing in and out of visibility even as he happens to scan the wrong horizon . . . In any case, something altogether calmer is taking over: a lassitude, a fatalism whose roots reach back not to the beginning of his own life but, like the rope on his ankle, down into the sea itself. The twisted fibres, like ancient strands of DNA, connect him with vanished deeps, to primordial oceans lying in different beds. If he is lost now it is because he was already lost before ever setting foot in a boat, before infancy itself. He has no proper existence at all, being only a tiny hole in the water shaped like the lower two-thirds of a man. There is no way the tons of ocean can be held apart and prevented from filling the mould.
Yet it is not possible to give up, to go within minutes from being fit and happily occupied to renouncing life as if fatally injured. Fear returns in cycles. Looking around the liquid wastes beneath a brilliant sky he is set upon at intervals by the adrenal thought: This cannot be happening to me . . . . But it is. Then for a little while it is not; and in between assessing his chances of death by drowning, shark attack or exposure, into the swimmer’s mind comes a sharp, vainglorious image of his predicament: Lacking all coordinates, he sees his own head occupying a fixed place. He pictures it sticking out of that expanse of curved blue ocean, a little round ball burnished with sun like the brass knob on top of a school globe. In his moment of loss he becomes the pivotal point about which the entire Earth turns.

James Hamilton-Paterson, Seven Tenths. The Sea and its Thresholds. Faber and Faber. London, 2007, p.3f
Tags:

Schmetterlingshaus
hans68
12012012794

Judith Butler on Violence, mourning, politics
hans68
"[T]he extensive reporting of the final moments of the lost lives in the World Trade Center are compelling and important stories. They fascinate, and they produce an intense identification by arousing feelings of fear and sorrow. One cannot help but wonder, however, what humanizing effect these narratives have. By this I do not mean simply that they humanize the lives that were lost along with those that narrowly escaped, but that they stage the scene and provide the narrative means by which >the human< in its grievability is established. We cannot find in the public media (...) the narratives of Arab lives killed elsewhere by brutal means. In this sense we have to ask about the conditions under which a grievable live is established and maintained, and through what logic of exclusion, what practice of effacement and denominalization."
"I am in favor of the public obituary but mindful of who has access to it, and which deaths can be fairly mourned there. We should surely continue to grieve for Daniel Pearl, even though he is much more easily humanized for United States citizens than the nameless Afghans obliterated by Unites States and European violence. But we have to consider how the norm governing who will be a grievable human is circumsribed and produced in these acts of permissible and celebrated public grieving, how they sometimes operated in tandem with a prohibition on the public grieving of others' lives, and how this differential allocation of grief serves the derealizing aims of military violence." (Precarious Life, 37f)

yoyū
hans68

"Fragt man japanische Angestellte, wie sie den Stress in der morgentlichen Kampfzone U-Bahn aushalten, enthalten die Antworten häufig das Wort yoyū. Der Begriff liesse sich im Deutschen ungefähr mit >>innerer Freiraum<< oder >>Entspannung<< wiedergeben. Im Erleben des inneren Raumes entsteht die Kapazität, die tägliche Enge hinzunehmen und darin seinen Platz zu behaupten." (Daniela Tan, NZZ,1.3.2011)

?

Log in